Antiseptische Ganzkörperwaschung mit Octenidin zur Prävention nosokomialer Infektionen
Anfrage
Kann die tägliche antiseptische Körperwaschung mit Octenidin die Häufigkeit von Infektionen auf Intensivbettenstationen (ICUs) im Vergleich zu herkömmlicher Körperpflege mit Wasser und nichtantibakteriellem Hautreiniger, z. B. Seife, reduzieren?
Ergebnisse
Studien
Unsere systematische Literaturrecherche identifizierte zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCT) und eine Vorher-Nachher-StudieVorher-Nachher-Studie (before-after study) ist ein Studiendesign, in dem die Entscheidungen über die Zuweisung zu den Behandlungsgruppen (Vergleichsgruppen) nicht von Forscher*innen getroffen werden. Die Effektgröße wird an zwei verschiedenen Zeitpunkten gemessen in der Regel vor der Einführung einer Intervention/Maßnahme und erneut danach. (26) . Zwei Studien untersuchten den Einfluss von 0,08%iger bzw. 0,3%iger Octenidin-Lösung im Vergleich zu Wasser und Seife, eine weitere verglich mit Placebo-Waschhandschuhen.
- Bakteriämie pro 1 000 Patient*innentage unter Risiko: Ein clusterrandomisierter Cross-Over-RCT mit niedrigem Bias-Risiko (93 438 Patient*innen) zeigte, dass Waschhandschuhe mit 0,08%iger Octenidin-Lösung zu rund einer Bakteriämie weniger pro 1 000 Patient*innentage unter Risiko führten als Placebo-Waschhandschuhe (Inzidenzratendifferenz [IRD] von -0,74; 95% KonfidenzintervallKonfidenzintervall (confidence intervall) Bereich, in dem der „wahre“ Wert einer Messung (Effektgröße) mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann (üblicherweise 95%-Konfidenzintervall). Die Effektgröße kann dabei z.B. ein Therapieeffekt, ein Risiko oder die Sensitivität eines diagnostischen Tests sein. Das Konfidenzintervall beschreibt die Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der Aussage zur Effektgröße. Die Breite des Konfidenzintervalls (KI) hängt u.a. von der Zahl der in die Studie eingeschlossenen Patient*innen ab und wird mit zunehmender Patient*innenzahl enger, d. h. die Effektgröße kann präziser geschätzt werden. (7) [KI]: -1,17 bis -0,31). Der Unterschied war statistisch signifikant. Unser Vertrauen in das Ergebnis ist moderat.
- Primäre Blutstrominfektionen (BSI) pro 1 000 Patient*innentage: Die Vorher-Nachher-StudieVorher-Nachher-Studie (before-after study) ist ein Studiendesign, in dem die Entscheidungen über die Zuweisung zu den Behandlungsgruppen (Vergleichsgruppen) nicht von Forscher*innen getroffen werden. Die Effektgröße wird an zwei verschiedenen Zeitpunkten gemessen in der Regel vor der Einführung einer Intervention/Maßnahme und erneut danach. (26) mit hohem Bias-Risiko inkludierte die Daten von 3 731 Patient*innen und zeigte rund eine BSI weniger pro 1 000 Patient*innentage bei Anwendung von 0,3%iger Octenidin-Lösung verglichen mit Wasser und Seife. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant (IRD von -0,92; 95% KI: -2,55 bis 0,70). Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.
Mit zentralvenösen Kathetern assoziierte Infektionen (CLABSI)
- pro 1 000 Patient*innentage: Ein clusterrandomisierter RCT mit unklarem Bias-Risiko (53 918 Patient*innen) zeigte geringfügig mehr CLABSI pro 1 000 Patient*innentage (IRD von 0,15; 95% KI: -0,11 bis 0,42) bei der Anwendung von 0,08%iger Octenidin-Lösung im Vergleich zu Wasser und Seife – etwa eine CLABSI mehr pro rund 6 700 Patient*innentage. Der Unterschied ist statistisch nicht signifikant.
- pro 1 000 Kathetertage: Auch pro 1 000 Kathetertage traten in der Gruppe mit Octenidin geringfügig häufiger CLABSI auf als in der Gruppe der Personen, die eine Ganzkörperwaschung mit Wasser und Seife erhielten (IRD von 0,30; 95% KI: -0,10 bis 0,70) – etwa eine CLABSI mehr pro rund 3 300 Kathetertage. Das Ergebnis ist statistisch nicht signifikant.
Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist moderat.
Fazit
Körperwaschungen mit Octenidin-haltigen Waschhandschuhen reduzierten das Auftreten von Bakteriämien verglichen mit Placebo-Waschhandschuhen. In Bezug auf BSI und CLABSI waren keine statistisch signifikanten Unterschiede zu beobachten. Unser Vertrauen in die Studienergebnisse ist niedrig bis moderat. Neue Studien werden mit Sicherheit einen wichtigen Einfluss auf die Einschätzung der Intervention haben.
Abbildung 1: Ergebnisse im Überblick
Ausführliche Beantwortung
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