Einfluss des Ernährungszustands auf die Wirksamkeit von Schmerzpflastern

Anfrage

Welchen Einfluss hat der Ernährungszustand auf die Schmerzintensität bei Patient*innen, die eine analgetische Behandlung mit transdermalen Schmerzpflastern erhalten?

Ergebnisse

Studien

Unsere systematische Literaturrecherche in vier Datenbanken identifizierte fünf Kohortenstudien, die den Einfluss des Ernährungszustandes bzw. Body-Mass-Index (BMI) auf die Wirksamkeit von Fentanyl-Schmerzpflastern bei Patient*innen mit unterschiedlichen onkologischen Erkrankungen untersuchten. Das Bias-Risiko stuften wir in einer Studie als moderat und in vier Studien als hoch ein. Die Studien zeigten widersprüchliche Ergebnisse.

Schmerzintensität drei Tage nach Schmerzpflaster-Applikation

Eine prospektive Kohortenstudien (n=20) mit hohem Bias-Risiko ergab, dass die Schmerzintensität, gemessen mittels visueller Analogskala (VAS, 0 mm=kein Schmerz, bis 100 mm=stärkster Schmerz), drei Tage nach Schmerzpflaster-Applikation in der Gruppe mit kachektischen Patient*innen und in der Gruppe mit normalgewichtigen Patient*innen ähnlich ausgeprägt war (Mittlere Differenz [MD]: -4,00 mm; 95% Konfidenzintervall [KI]: -26,2 bis 18,2). Eine retrospektive Kohortenstudie (n=92) mit hohem Bias-Risiko berichtet hingegen an Tag drei nach Auftragen eines Fentanyl-Schmerzpflasters bei mangelernährten Patient*innen eine statistisch signifikant höhere Schmerzintensität (VAS, 0=kein Schmerz, bis 10=stärkster Schmerz) als bei normalernährten Patient*innen (MD: 1,16 Punkte; 95% KI: 0,76 bis 1,56). Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.

Schmerzintensität sieben Tage nach Schmerzpflaster-Applikation

Eine retrospektive Kohortenstudie (n=213) mit moderatem Bias-Risiko untersuchte Prädiktoren einer wirksamen Schmerzkontrolle in den ersten sieben Tagen nach Umstellung von einem oralen Opioid auf Fentanyl-Schmerzpflaster. Ein höherer BMI war mit einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit für eine ausreichende Schmerzkontrolle assoziiert (OR: 0,82; 95% KI: 0,74 bis 0,92). Die Kohortenstudie von Chiba et al. (n=77) untersuchte den Einfluss einer mit Krebs assoziierten Kachexie auf die Wirksamkeit eines transdermalen Fentanyl-Schmerzpflasters. Die durchschnittliche Schmerzintensität (VAS, 0=kein Schmerz, bis 10=stärkster Schmerz) war am siebenten Tag nach erstmaliger Applikation des Fentanyl-Schmerzpflasters bei Patient*innen ohne und mit Kachexie ähnlich (MD: 0,45; 95% KI: -0,08 bis 0,98). Jedoch war sowohl die erforderliche Dosis an Fentanyl als auch die Variabilität der Schmerzintensität innerhalb von sieben Tagen in der Gruppe mit krebsassoziierter Kachexie statistisch signifikant größer als in der Gruppe ohne Krebskachexie. Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.

 

Schmerzintensität 30 Tage nach Schmerzpflaster-Applikation

Eine retrospektive Kohortenstudie (n=240) mit hohem Bias-Risiko analysierte aus Registerdaten den Zusammenhang von BMI, Fentanyl-Schmerzpflaster-Dosis, stärksten und geringsten Schmerzen (Brief Pain Inventory [BPI]: 0=kein Schmerz, bis 10=stärkster Schmerz) sowie prozentueller Schmerzlinderung. In einer univariaten Regressionsanalyse war die BMI-Kategorie <18,5 kg/m², unabhängig von der Fentanyl-Schmerzpflaster-Dosis, statistisch signifikant mit der prozentuellen Schmerzlinderung assoziiert (Korrelationskoeffizient r=0,15, 95% KI: 0,01 bis 0,29). Nach Adjustierung für Covariate blieb dieser Zusammenhang jedoch nicht weiter statistisch signifikant. Eine weitere Kohortenstudie analysierte 52 von 92 Patient*innen, bei denen der Ernährungszustand sowie die Schmerzintensität mittels VAS (0=kein Schmerz, bis 10=stärkster Schmerz) nach 30 Tagen verfügbar waren. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Verschlechterung des Ernährungszustands mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Zunahme der Schmerzen assoziiert ist (OR: 30,0; 95% KI: 4,48 bis 200,97). Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.

Fazit

Die Evidenz zum Einfluss des Ernährungszustandes bzw. BMI auf die Wirksamkeit transdermaler Opioid-Schmerzpflaster bei Patient*innen mit Krebs basiert überwiegend auf Beobachtungsstudien mit kleiner Stichprobengröße und inkonsistenten Ergebnissen. Ein Effekt von Mangelernährung oder Kachexie auf die Schmerzintensität konnte in den identifizierten Studien nicht konsistent gezeigt werden. Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.

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© Beitragsbild: Douglas Cliff/Istockphoto.com

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