Passive Befeuchtung der Sauerstoffinsufflation ≤15 Liter
Anfrage
Wie wirkt sich die Verwendung von passiv befeuchtetem Sauerstoff (bis 15 Liter/Minute) im Vergleich zu nicht befeuchtetem (trockenem) Sauerstoff auf die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse und das Wohlbefinden bei Erwachsenen aus?
Ergebnisse
Studien
Wir konnten durch eine systematische Literaturrecherche zu dieser Fragestellung drei Publikationen ermitteln. Dabei handelt es sich um eine systematische ÜbersichtsarbeitSystematische Übersichtsarbeit/Systematischer Review (SR; systematic review) zählt zur Sekundärforschung, bei der zu einer klar formulierten Frage alle verfügbaren Primärstudien systematisch und nach expliziten Methoden identifiziert, ausgewählt und kritisch bewertet und die Ergebnisse extrahiert und deskriptiv oder mit statistischen Methoden quantitativ (Meta-Analyse) zusammengefasst werden. Nicht jeder systematische Review führt zu einer Meta-Analyse. (7) (SR), eine multizentrische randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie sowie eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit erwachsenen Patient*innen in unterschiedlichen intramuralen Settings.
Nebenwirkungen und Wohlbefinden bei Sauerstoffinsufflation bis 5 Liter pro Minute
Die Häufigkeit von Nasen-Rachen-Trockenheit wurde in dem SR mit neun RCT bei 3995 Patient*innen untersucht. Die Ergebnisse zeigen keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen (trocken vs. befeuchtet: Odds RatioOdds Ratio (OR) ist ein Effektmaß für dichotome Daten und bezeichnet das Verhältnis (Ratio) der Odds (Chancen), dass ein Ereignis oder Endpunkt in der experimentellen Gruppe eintritt, zu der Odds, dass das Ereignis in der Kontrollgruppe eintritt. Eine OR von 1 bedeutet, dass zwischen den Vergleichsgruppen kein Unterschied besteht. Bei ungünstigen Endpunkten zeigt eine OR < 1 an, dass die experimentelle Intervention wirksam ist, um die Odds für das Auftreten dieser ungünstigen Endpunkte zu senken. (7) [OR]: 0,93; 95% KonfidenzintervallKonfidenzintervall (confidence intervall) Bereich, in dem der „wahre“ Wert einer Messung (Effektgröße) mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann (üblicherweise 95%-Konfidenzintervall). Die Effektgröße kann dabei z.B. ein Therapieeffekt, ein Risiko oder die Sensitivität eines diagnostischen Tests sein. Das Konfidenzintervall beschreibt die Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der Aussage zur Effektgröße. Die Breite des Konfidenzintervalls (KI) hängt u.a. von der Zahl der in die Studie eingeschlossenen Patient*innen ab und wird mit zunehmender Patient*innenzahl enger, d. h. die Effektgröße kann präziser geschätzt werden. (7) [KI]: 0,78 bis 1,10). Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig.
Ein SR analysierte das Auftreten von Husten in zwei Studien mit 255 Patient*innen. Dabei ließ sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Untersuchungsgruppen erkennen (trocken vs. befeuchtet: OR: 0,80; 95% KI: 0,42 bis 1,52). Unser Vertrauen in die Evidenz ist unzureichend.
Das Auftreten von Nasenbluten bei Sauerstoffapplikation untersuchte ein SR, der sechs Studien mit 2165 Patient*innen einschloss. Die Ergebnisse zeigen keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen beiden Untersuchungsgruppen (trocken vs. befeuchtet: OR: 1,34; 95% KI: 0,77 bis 2,34). Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig.
Ein SR, der vier Studien mit 1916 Patient*innen inkludierte, ging dem Auftreten von Atemwegsinfekten nach. Er ergab, dass diese bei Verabreichung von nicht befeuchtetem Sauerstoff (15 von 965) statistisch signifikant seltener auftraten als bei Verabreichung von befeuchtetem Sauerstoff (36 von 951) (trocken vs. befeuchtet: OR: 0,39; 95% KI: 0,21 bis 0,73). Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig.
Ein Unwohlsein im Brustbereich wurde sowohl in einem SR mit vier Studien an 1637 Patient*innen (trocken vs. befeuchtet: OR: 0,91; 95% KI: 0,53 bis 1,55) als auch in einem RCT untersucht. Beide zeigen keinen statistisch signifikanten Unterschied. Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig.
Das umfassende Wohlbefinden wurde in einer randomisiert kontrollierten Nichtunterlegenheitsstudie nach sechs bis acht (n=199) sowie nach 24 Stunden (n=129) untersucht. Gemessen wurde dieses mit einem maximal 150 Punkte umfassenden Score (Range: 0 bis 150 Punkte; wenige Punkte bedeuten weniger Unwohlbefinden). Nach sechs bis acht Stunden zeigte sich ein Unterschied von rund zwei Punkten weniger (28 vs. 26) sowie nach 24 Stunden von fünf Punkten (25 vs. 30) bei nicht befeuchtetem Sauerstoff. Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig.
Nebenwirkungen und Wohlbefinden bei Sauerstoffinsufflation von 5 bis 15 Litern pro Minute
Wir konnten keine Studien finden, die mögliche klinische Nebenwirkungen untersuchten.
Das umfassende Wohlbefinden wurde in einer randomisiert kontrollierten Nichtunterlegenheitsstudie nach sechs bis acht (n=79) sowie nach 24 Stunden (n=29) untersucht. Gemessen wurde dieses mit einem maximal 150 Punkte umfassenden Score (Range: 0 bis 150 Punkte; wenige Punkte bedeuten weniger Unwohlbefinden). Nach sechs bis acht Stunden zeigte sich ein Unterschied von rund fünf Punkten weniger sowie nach 24 Stunden von 13 Punkten weniger bei befeuchtetem Sauerstoff. Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig bzw. unzureichend.
Fazit
Die vorliegende Evidenz gibt Hinweise darauf, dass bezüglich der Verabreichung von nicht befeuchtetem versus befeuchtetem Sauerstoff kaum Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens von Nasen-Rachen-Trockenheit, Husten, Nasenbluten sowie Unwohlsein im Brustbereich der Patient*innen bestehen. Schwache Evidenz liegt dazu vor, dass nicht befeuchteter Sauerstoff (≤5 Liter/Minute) die Häufigkeit des Auftretens von Atemwegsinfekten sowie Unwohlbefinden bei niedrigeren Flussraten (≤5 Liter/Minute) verringern und bei höheren Flussraten (5–15 Liter/Minute) erhöhen kann. Unser Vertrauen in die Evidenz ist niedrig bis unzureichend.
Abbildung 1: Ergebnisse im Überblick (Sauerstoffinsufflation ≤ 5 Liter/Minute)
Abbildung 2: Ergebnisse im Überblick (Sauerstoffinsufflation 5 bis 15 Liter/Minute)
Ausführliche Beantwortung
Ausführliche Beantwortung dieser Anfrage als PDF zum Download
© Beitragsbild: Doro79/istockphoto.com

