Verbandswechselmethoden: steril versus sauber bzw. keimarm
Anfrage
Welchen Einfluss hat der sterile Verbandswechsel im Vergleich zum sauberen, keimarmen Verbandswechsel auf die Infektionsrate von chirurgischen Wunden bei Patient*innen aller Altersgruppen?
Ergebnisse
Studien
Unsere systematische Literaturrecherche in sechs DatenbankenDatenbanken sind strukturierte Sammlungen von Informationen oder Daten. Im Kontext von Gesundheitswissenschaften wird häufig zwischen Volldatenbanken, datenbankspezifischen Suchmaschinen, Meta-Suchmaschinen und unspezifischen Suchmaschinen unterschieden. Weitere Informationen dazu können z. B. auf der Website zu finden sein. (8) identifizierte einen systematischen Review, zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCT) und eine Beobachtungsstudie, die sterile und saubere bzw. keimarme Verbandswechsel bei chirurgischen Wunden untersuchten. Drei Studien mit hohem Risko für Verzerrung wurden aufgrund von methodischen Mängeln aus der Analyse ausgeschlossen. Die andere Studie mit unklarem Risiko für Verzerrung untersuchte 30 Patient*innen nach einem abdominellen chirurgischen Eingriff.
Resultate
In beiden Gruppen traten ähnlich häufig Wundinfektionen auf; in der Gruppe mit sterilem Verbandswechsel bei einem von 16 Patient*innen (6,3%) und in der Gruppe mit sauberem, keimarmem Verbandswechsel bei einem von 14 Patient*innen (7,1%) (Relatives RisikoRelatives Risiko (RR; risk ratio) beschreibt ein Effektmaß für dichotome Variablen. Das relative Risiko in einer Therapiestudie bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Risiko in der experimentellen Gruppe und dem Risiko in der Kontrollgruppe. Ein relatives Risiko von 1 bedeutet, dass zwischen den Vergleichsgruppen kein Unterschied besteht. Bei ungünstigen Ereignissen zeigt ein RR < 1 , dass die experimentelle Intervention wirksam ist, um das Auftreten von ungünstigen Ereignissen zu senken. (7) [RR] 0,9; 95% KonfidenzintervallKonfidenzintervall (confidence intervall) Bereich, in dem der „wahre“ Wert einer Messung (Effektgröße) mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann (üblicherweise 95%-Konfidenzintervall). Die Effektgröße kann dabei z.B. ein Therapieeffekt, ein Risiko oder die Sensitivität eines diagnostischen Tests sein. Das Konfidenzintervall beschreibt die Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der Aussage zur Effektgröße. Die Breite des Konfidenzintervalls (KI) hängt u.a. von der Zahl der in die Studie eingeschlossenen Patient*innen ab und wird mit zunehmender Patient*innenzahl enger, d. h. die Effektgröße kann präziser geschätzt werden. (7) [KI] 0,1 bis 12,7). Das Vertrauen in das Ergebnis ist unzureichend.
Fazit
Die Studienergebnisse zeigen ähnlich häufige Wundinfektionen in beiden Gruppen. Allerdings war die Anzahl der Teilnehmer*innen gering, weshalb sich die Effekte nur sehr ungenau schätzen ließen. Wir können daher keine sichere Aussage darüber treffen, ob sich die Wundinfektionshäufigkeit bei sterilen oder sauberen, keimarmen Verbandswechseltechniken unterscheidet. Das Vertrauen in das Ergebnis ist unzureichend, um die WirksamkeitWirksamkeit (effectiveness, efficacy) allgemein das Ausmaß, in dem sich eine Intervention, Prozedur, Dienstleistung oder sonstige Maßnahme auf definierte Populationen auswirkt. (3) und Sicherheit der Intervention einschätzen zu können.
Abbildung 1: Ergebnisse im Überblick
Ausführliche Beantwortung
Ausführliche Beantwortung dieser Anfrage als PDF zum Download
© Beitragsbild: Bojan89/Istockphoto.com
