Deeskalationstraining in der Notaufnahme – Auswirkungen auf aggressive Vorfälle und das Selbstvertrauen der Pfleger*innen

Anfrage

Wie wirken sich Deeskalations- bzw. Gewaltschutztrainings auf die Häufigkeit und die Schwere aggressiver Vorfälle durch Patient*innen oder Angehörige in der Notaufnahme aus und wie beeinflussen sie das Selbstvertrauen des Pflegepersonals, angemessen mit solchen Situationen umzugehen?

Ergebnisse

Studien

Durch die systematische Literaturrecherche in sechs Datenbanken konnten wir fünf Primärstudien zur Fragestellung identifizieren. Vier Studien erhoben die Häufigkeit aggressiver Vorfälle in iranischen Notfallaufnahmen und schlossen 246 Pflegekräfte ein (1-4). Eine Studie aus Taiwan untersuchte die Auswirkungen eines Trainings auf das Selbstvertrauen von 75 Pflegekräften (5). Aufgrund der Unterschiede bei den Merkmalen der Interventionen und den Ergebnismaßen können die Ergebnisse nicht gepoolt werden.

 

Häufigkeit und Schwere von Gewalt am Arbeitsplatz

Insgesamt zeigen die Studien unterschiedliche Ergebnisse. Während es in zweien nach dem Training zu einer Reduktion von körperlicher Gewalt kam (1, 3), blieb die Häufigkeit in den zwei anderen Studien vergleichbar mit dem Zeitraum vor dem Training (2, 4). In Bezug auf verbale Gewalt ließen zwei Studien (1, 2) eine Reduktion erkennen, während es in einer anderen (3) kaum Veränderungen diesbezüglich gab. Jene Studie, die den Schweregrad von gewaltvollen Vorfällen erhob, konnte eine Reduktion desselben nach dem Training beobachten (1). Unser Vertrauen in das Ergebnis ist unzureichend.

 

Zuversicht im Umgang mit berufsbedingten Stresssituationen

Eine Studie untersuchte die Auswirkungen eines umfassenden Schulungsprogramms zur Prävention und zum Umgang mit Gewalt in der Notaufnahme im Vergleich zu einer Basisschulung (5). Die Gruppe mit umfassender Schulung zeigte etwas mehr Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, mit aggressivem Verhalten umzugehen, als die Vergleichsgruppe mit einer Basisschulung. Die Mittelwertdifferenz betrug 2,7 Punkt auf einer 45 Punkte umfassenden Skala. Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.

 

Selbstvertrauen im Umgang mit aggressivem Verhalten

Eine Studie untersuchte die Auswirkungen eines umfassenden Schulungsprogramms zur Prävention und zum Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz im Vergleich zu einer Basisschulung (5). Die Personen der Gruppe mit umfassender Schulung zeigten ähnliches Selbstvertrauen im Umgang mit aggressivem Verhalten wie Angehörige der Vergleichsgruppe mit einer Basisschulung. Die Mittelwertdifferenz betrug 0,2 Punkte auf einer 32 Punkte umfassenden Skala. Unser Vertrauen in das Ergebnis ist niedrig.

 

Wahrgenommene Selbstwirksamkeit der Pflegenden

Zum gewünschten Studienendpunkt „wahrgenommene Selbstwirksamkeit der Pflegenden“ konnten wir keine Studie finden.

 

Fazit

Es bleibt unklar, ob Deeskalationstrainings die Häufigkeit und Schwere aggressiven Verhaltens reduzieren können, da es in den eingeschlossenen Studien keine Vergleichsgruppen gab und die untersuchten Trainings sowie Erhebungsinstrumente sehr unterschiedlich waren. Eine Studie berichtet über eine Zunahme des Selbstvertrauens in die eigene Fähigkeit, mit aggressivem Verhalten umzugehen; die Effekte sind aber gering. Diese Ergebnisse sind, aufgrund anzunehmender kultureller bzw. gesellschaftlicher Unterschiede, zusätzlich mit Vorsicht zu interpretieren, da vier Studien im Iran und eine in Taiwan durchgeführt wurden. Neue Studien werden mit Sicherheit einen wichtigen Einfluss auf die Einschätzung der Intervention haben.

Ausführliche Beantwortung
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© Beitragsbild:Olga Tsikarishvili/Istockphoto.com

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